Ein Team von Telehouse hatte einmal bis zum folgenden Freitag Zeit, Stromaggregate zu bestellen, die zwei Jahre später auf der Baustelle ankommen sollten. Ozgur Duzgunoglu, Leiter Engineering und Design des Unternehmens, erzählte das am 14. Oktober auf einem Podium der Capacity Europe 2026 in London, und es gab den Ton der Runde vor. Bauherren bestellen Aggregate heute rund zwei Jahre im Voraus und binden sich an Lieferanten, bevor die Planung fertig ist, berichtete Capacity am Tag darauf; ein Fertigungsplatz ist wichtiger geworden als der beste Preis.
Fertigungsplätze vor Spezifikationen
Miriam van Kooperen, Senior Director Supply Chain bei Greenscale, sagte, die Kapazität bereite ihr inzwischen mehr Sorgen als Kosten oder Lieferzeiten. Knapp seien Hochspannungstransformatoren, gasisolierte Schaltanlagen und Aggregatemotoren, und manche Lieferanten bezeichneten sich schon als ausgebucht. Ihre Antwort ist eine Liste bevorzugter Lieferanten und ein fester Stichtag, bis zu dem die Planung im Wesentlichen eingefroren wird. Auch bei Standardplanungen hat sie ihre Meinung geändert: Sie bevorzugt heute Spezifikationen, die eine Leistung beschreiben statt ein bestimmtes Produkt, damit ein Betreiber zu einem anderen Lieferanten wechseln kann, wenn der erste nicht liefert.
Duzgunoglu nannte für Aggregate Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren und für Hochspannungstransformatoren je nach Kapazität 12 bis 18 Monate. Ein Hyperscaler, der Hunderte Einheiten bestellt, könne jedem die Fertigungsplätze wegnehmen, der beim Werk nicht nachfasse. Telehouse arbeitet mit einer Standardplanung und flexiblen Teilpaketen, die von Frankfurt oder Paris bis Thailand eingesetzt werden können, und benennt für jedes Hauptpaket vier oder fünf Lieferanten statt einem. Einen Netzanschluss in Frankfurt zu bekommen, könne fünf bis sieben Jahre dauern, fügte er hinzu.
Nelson Pinto de Magalhaes, Director PMO und Beschaffung bei Start Campus, das in Portugal einen Hyperscale-Campus baut, sagte, frühe Bestellungen lösten das Problem der langen Lieferzeiten; schwieriger sei es, Ausrüstung, Monteure und Inbetriebnahmeteams in dasselbe Zeitfenster zu bringen. KI-Installationen änderten sich etwa alle sechs Monate, während selbst ein beschleunigtes Gebäude rund 18 Monate brauche; deshalb führe bei Start Campus die Beschaffung und die Planung folge. Leistungsspezifikationen vergrößerten den Lieferantenkreis, verlagerten das Risiko aber auf Schnittstellen und Inbetriebnahme. Justin Ryburn von Kentik schilderte einen Kunden in den USA, der Aggregate im Dauerbetrieb fährt, um Kapazität vor dem Netzanschluss in Betrieb zu nehmen, und sie auf Notstrombetrieb umstellt, sobald das Netz da ist.
Kosten, die der Miete davonlaufen
Am selben Tag berichtete Data Center Knowledge über den Global Construction Costs Index 2026 von JLL. Er sieht eine jährliche Baukostensteigerung von 3 bis 6 % als neuen Normalfall, gegenüber 2 bis 3 % vor 2020, und erwartet für 2027 weltweit weitere 3,1 bis 4,2 % höhere Angebotspreise. Matthew Giddings aus dem Rechenzentrumsteam von JLL rät, Fertigungsplätze für Transformatoren, Schaltanlagen, Aggregate und Kühltechnik zu reservieren und sich dabei das Recht auszuhandeln, die Spezifikation vor Fertigungsbeginn zu ändern. Elektriker, Hochspannungsfachleute und Inbetriebnahmeteams zählt er zu den knappsten Leuten eines Projekts.
Der Motor ist bestellt, das Aggregat noch nicht
Ein Fertigungsplatz, der zwei Jahre im Voraus reserviert wird, legt Motor und Leistungsklasse fest, lange bevor jemand den Aggregatehof gezeichnet hat. Alles, was aus diesem Motor ein funktionierendes Aggregat an einem bestimmten Standort macht - der Container, die Abgasanlage mit SCR, die Schalldämpfer, das Kraftstoffsystem - wird später spezifiziert, nach dem Einfrieren der Planung und oft mit viel kürzerem Terminplan. Eine Leistungsspezifikation hilft dort nur, wenn die Leistung auch aufgeschrieben ist: Umgebungsbedingungen und Aufstellhöhe, der Lärmgrenzwert an der Grundstücksgrenze, die Emissionsgrenzen der Genehmigung, der Kraftstoff. In den meisten Projekten ist das früh bekannt und kann mit der Motorbestellung in die Anfrage.
Auch Ryburns Beispiel lohnt einen zweiten Blick. Ein als Notstrom gekauftes Aggregat, das bis zum Netzanschluss jeden Tag läuft, läuft in dieser Zeit im Prime-Betrieb als Hauptstromquelle, mit allen Folgen für seine Leistungsklasse, seine Wartungsintervalle und seine Luftreinhaltegenehmigung. Das klärt man besser, wenn der Fertigungsplatz gebucht wird, als wenn sich der Netztermin verschiebt.
Quellen: Capacity, Data Center Knowledge