Zwei Stromaggregate mit demselben Motor können auf ihren Datenblättern sehr unterschiedliche Leistungsangaben haben. Der Unterschied ist kein Marketingtrick: Es ist die Leistungsart, die die Leistung, die ein Aggregat abgeben darf, an die Art seiner Nutzung bindet. Die falsche Leistungsart zu wählen, ist eine der häufigsten Ursachen für enttäuschende Aggregatinstallationen – entweder ein überdimensioniertes, kaum ausgelastetes Aggregat oder ein Motor, der stärker beansprucht wird, als seine Leistungsart zulässt. Dieser Artikel erklärt die Leistungsarten und warum sie weit über den Motor hinaus von Bedeutung sind.
ISO 8528-1 definiert die Leistungsarten, die Hersteller von Stromaggregaten veröffentlichen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden sie oft als Notstrom-, Standby-, Prime- und Dauerleistung bezeichnet:
- Notstrom-Bereitschaftsleistung (ESP) – die maximale Leistung, die während eines Netzausfalls für eine begrenzte Anzahl von Betriebsstunden pro Jahr und bei veränderlicher Last zur Verfügung steht. Sie ist für Aggregate gedacht, die selten laufen.
- Zeitlich begrenzte Aggregatleistung (LTP) – die Leistung, die für eine begrenzte Anzahl von Stunden pro Jahr zur Verfügung steht, für Anwendungen wie Lastspitzenkappung (Peak Shaving) oder unterbrechbare Lieferverträge.
- Variable Aggregat-Dauerleistung (PRP) – Leistung, die für eine unbegrenzte Anzahl von Stunden pro Jahr bei veränderlicher Last zur Verfügung steht, wobei die durchschnittliche Last über einen Zeitraum innerhalb der vom Hersteller festgelegten Grenzen bleibt. Typisch für Standorte, an denen das Aggregat die Hauptstromquelle ist.
- Aggregat-Dauerleistung (COP) – Leistung, die für eine unbegrenzte Anzahl von Stunden pro Jahr bei konstanter Last zur Verfügung steht. Sie wird eingesetzt, wenn das Aggregat Grundlast fährt, zum Beispiel im Netzparallelbetrieb oder in Inselkraftwerken.
Je kontinuierlicher der Betrieb, desto geringer die Leistung, die vom selben Motor verlangt werden darf. Viele Hersteller veröffentlichen außerdem zusätzliche Leistungsarten für bestimmte Märkte – Rechenzentren sind das bekannteste Beispiel – mit eigenen Bedingungen.
Notstrom, Standby oder Backup?
In Bauvorschriften und Spezifikationen sind die Begriffe nicht austauschbar. Ein Notstromsystem versorgt in der Regel sicherheitsrelevante Verbraucher – Fluchtwegbeleuchtung, Feuerlöschpumpen, Rauchabzug – und unterliegt strengen Regeln für Startzeit, Prüfung und Trennung. Ein Standby- oder Backup-System sichert die Betriebskontinuität: Server, Produktionslinien, Kühlung. Dasselbe Stromaggregat kann Teil beider Systeme sein, doch die Anforderungen an Start, Umschaltung, Prüfung und Wartung unterscheiden sich, und die Hilfssysteme müssen für die jeweils strengeren ausgelegt werden.
Warum die Leistungsart das gesamte Paket prägt
Die Leistungsart beschreibt nicht nur den Motor. Sie bestimmt, wie stark jedes System um ihn herum beansprucht wird:
- Kühlung – ein Aggregat im Dauerbetrieb gibt Stunde um Stunde seine volle Wärme ab, und der Kühler, der Lüftungsweg und die Luftschalldämpfer müssen das bei der höchsten Umgebungstemperatur des Standorts bewältigen.
- Kraftstoff – die Betriebsstunden bestimmen den Kraftstoffverbrauch, die Tankgrößen, die Förderanordnung und wie schnell der gelagerte Kraftstoff umgeschlagen wird; Standby-Aggregate mit lange gelagertem Kraftstoff sind stärker auf eine Kraftstoffreinigung angewiesen als Aggregate mit Prime-Leistung.
- Abgas und Emissionen – ein Aggregat im Dauerbetrieb wird nach seinen dauerhaften Emissionen beurteilt, was häufig eine SCR-Abgasnachbehandlung in den Lieferumfang bringt.
- Schmierung und Wartung – lange Laufzeiten erfordern Ölversorgungssysteme und einen Wartungszugang, der für Routinearbeiten geplant ist, nicht für gelegentliche Einsätze.
- Startbereitschaft – ein Standby-Aggregat, das monatelang wartet, muss sofort starten, was eine Motorvorwärmung und die Batteriepflege unverzichtbar macht.
Häufige Fehler
- Ein Aggregat nach seiner Standby-Leistung für einen Standort auszuwählen, an dem es in Wirklichkeit als Hauptstromquelle laufen wird.
- Dauerbetrieb für ein Aggregat zu spezifizieren, das nur wenige Stunden im Jahr laufen wird, und für Kapazität zu bezahlen, die nie genutzt wird.
- Den Motor richtig einzustufen, aber Containerlüftung, Kraftstoffautonomie oder Abgasanlage für einen leichteren Betrieb auszulegen.
- Zu vergessen, dass lange Betriebszeiten bei sehr geringer Last Dieselmotoren schaden, unabhängig von der Leistungsart.
Fazit
Die Leistungsart ist die erste Entscheidung eines Aggregatprojekts und sollte sich aus einer ehrlichen Beschreibung des Betriebs ergeben: wie oft das Aggregat laufen wird, wie lange und bei welcher Last. Ist die Leistungsart richtig gewählt, können Kühl-, Kraftstoff-, Abgas- und Elektrosysteme so ausgelegt werden, dass sie sie unterstützen. AXON Technic baut den Container und die Hilfssysteme um die Leistungsart, die das Projekt benötigt – kontaktieren Sie unser Team, um Ihre Anwendung zu besprechen.