Ein Rechenzentrum im Osten Cardiffs, das möglicherweise fünf Jahre lang seinen eigenen Strom erzeugen muss, wartet jetzt auf die walisischen Minister. Die walisische Regierung hat eine sogenannte Holding Direction für den Antrag des Entwicklers Curtis Hall auf dem Gelände Cardiff East Park and Ride bei Llanrumney erlassen, berichtete die BBC am 16. Oktober. Sie hindert den Stadtrat von Cardiff daran, die Genehmigung zu erteilen, solange die Minister prüfen, ob sie selbst entscheiden. Die Stadt sagt, der Antrag werde weiter geprüft und komme zu einem späteren Termin in eine Planungssitzung.
Warten auf 150 MW
Das Rechenzentrum braucht einen Netzanschluss von 150 MW, der möglicherweise erst zwischen 2030 und 2034 kommt. Zur Überbrückung sieht die Planung ein temporäres Energiezentrum mit bis zu 49,9 MW vor: fünf Gasturbinen, einen Dampferzeuger und zwei Reserve-Gasturbinen, Betrieb ab Juli 2028 für etwa fünf Jahre. Sobald das Netz da ist, würden rund 40 Dieselaggregate die Notstromversorgung übernehmen.
Die Zahl 49,9 MW fällt auf, weil Energieanlagen ab 50 MW eine Genehmigung der walisischen Regierung brauchen. Der Entwickler bestreitet, die Grenze deshalb gewählt zu haben. Er bezeichnet die Gasturbinen als ungünstigsten Fall, mit dem die Obergrenze für Emissionen und Lärm im Gutachten festgelegt wird, sagt, die Technik stehe nicht fest, nennt Brennstoffzellen als Option und erklärt, das Energiezentrum werde gar nicht gebraucht, wenn der Anschluss rechtzeitig komme.
Der Probelauf der Aggregate wurde zum Streitpunkt
Ein großer Teil der Einwände richtet sich gegen die Dieselaggregate, nicht gegen die Turbinen. Herald.Wales berichtete im vergangenen Monat, das erste Luftqualitätsgutachten vom Dezember 2025 habe gewarnt, ein Betrieb der Notstromaggregate über mehr als 30 Minuten würde den Kurzzeit-Grenzwert für NO2 wahrscheinlich überschreiten. Ein überarbeitetes Gutachten vom April änderte das Prüfregime so, dass jedes Aggregat einzeln und wöchentlich getestet wird, und hielt das Ergebnis für akzeptabel. Zwei Senedd-Abgeordnete von Plaid Cymru sagen, auch das neue Modell zeige noch bis zu drei Überschreitungen pro Jahr an nahen Wohnhäusern und einer Grundschule. Der Entwickler sagt, das Vorhaben erfülle die nationalen Standards, und er habe einen 72-stündigen Netzausfall modelliert, den er etwa einmal in zehn Jahren erwartet.
Einwände kamen von fast allen örtlichen Senedd-Abgeordneten, einem Minister der walisischen Regierung, dem örtlichen Unterhausabgeordneten, einem Mitglied des Stadtvorstands von Cardiff und Friends of the Earth Cymru. Die walisische Regierung will vor Ende 2026 eine Richtlinie zu Rechenzentren veröffentlichen.
Wo solche Projekte hängen bleiben
Zwei Dinge aus diesem Fall tauchen inzwischen in ganz Europa auf. Netzanschlusstermine liegen so weit in der Zukunft, dass Entwickler zunächst jahrelange Eigenerzeugung einplanen, und damit steht plötzlich ein Kraftwerk in einem Antrag, der als Bauantrag begann. Und sobald die Luftqualitätsexperten einer Kommune genau hinsehen, wird der routinemäßige Probelauf der Notstromaggregate zur Planungsauflage statt zu einem Wartungsdetail, das dem Betreiber überlassen bleibt.
Ein Prüfregime, das sich im Genehmigungsverfahren ändert, ändert auch den Inbetriebnahmeplan und den Wartungsvertrag. Besser, man legt es gemeinsam mit dem Betriebsteam fest, bevor das Luftqualitätsmodell gerechnet wird, und prüft, ob die Abgasnachbehandlung und die Kaminpositionen im Modell auch die sind, die tatsächlich gebaut werden.
Quellen: BBC (über Yahoo News), Herald.Wales