Ein GPU-Cluster zieht Strom nicht wie ein Bürogebäude. Wenn Tausende Chips einen Trainingsschritt gemeinsam beginnen und beenden, kann sich die Last im elektrischen System innerhalb von Sekunden um Megawatt verschieben. In genau dieses Problem kauft sich Siemens ein: Am 14. Oktober gab das Unternehmen eine strategische Beteiligung an Skeleton Technologies bekannt, einem Hersteller von Superkondensatoren, zusammen mit einer exklusiven weltweiten Partnerschaft für Vertrieb und Ausbau der Skeleton-Produkte im Rechenzentrumsmarkt.
Die Vereinbarung
Einen Betrag nannte keines der beiden Unternehmen. Skeleton spricht von einer neunstelligen Runde, die die Bewertung über 1 Mrd. US-Dollar hebt, und will mehr als 200 Mio. US-Dollar in den Ausbau des Betriebs sowie in Forschung und Entwicklung im Silicon Valley stecken, in direkter Zusammenarbeit mit Hyperscalern. Außerdem sollen Zellen in den USA gefertigt werden, sodass das US-Geschäft von der Zelle bis zum fertigen System reicht. Siemens ist seit 2022 Technologiepartner und seit 2023 Investor; Siemens Digital Industries hat Skeletons Werk in Leipzig geplant und automatisiert.
Siemens nimmt die Technik in sein Portfolio für elektrische Infrastruktur auf, das nach eigener Darstellung nun vom Netzanschluss bis zum KI-Rack reicht. Laut Pressemitteilung lassen sich die Systeme in bestehende AC-Anlagen und Nachrüstungen einbauen und bieten einen Weg zu künftigen 800-V-DC-Standards.
Woher die Lastsprünge kommen
Nach Angaben von Siemens können KI-Lasten den Leistungsbedarf innerhalb von Millisekunden ändern, was sich binnen Sekunden zu Schwankungen im Megawattbereich summiert. Superkondensatoren laden und entladen sehr schnell; sie können daher nahe an der Last sitzen und diese Spitzen abfangen, bevor sie den Rest des Systems erreichen. Als Nutzen nennt Siemens den Schutz der Anlagen und des Netzes, höhere Rechendichte und weniger Umbauten am Gebäude. Skeleton geht weiter und spricht von bis zu 40 % Energieeinsparung und zweistelligen Leistungsgewinnen bei GPUs; das sind Angaben des Unternehmens, eine unabhängige Prüfung ist bisher nicht veröffentlicht.
Skeleton-Chef Taavi Madiberk sieht inzwischen den Strom und nicht das GPU-Angebot als Grenze der KI-Leistung. Siemens zählt nach eigenen Angaben neun der zehn größten Rechenzentrumsanbieter zu seinen Kunden, was der Partnerschaft einen naheliegenden Vertriebsweg gibt.
Auch das Aggregat bekommt es ab
Die Mitteilung spricht vom Netz. Fällt am Standort das Netz aus, landen dieselben Lastsprünge auf den Notstromaggregaten, und ein Motorregler antwortet auf einen Lastsprung weit langsamer als eine Superkondensator-Bank. Ob zwischen den Racks und der Generatorschiene ein Puffer sitzt und auf welcher Seite des Umschalters, verändert, was das Stromaggregat aufnehmen muss. Das sollte man klären, bevor die Aggregatespezifikation feststeht, nicht erst bei der Inbetriebnahme. Ein Lastbank-Test mit gleichmäßigen Stufen sagt zudem wenig über eine pulsierende Last aus; wenn die Halle Trainingscluster tragen soll, fragen Sie den Betreiber, wie diese Last vor Ort nachgebildet werden soll.
Quellen: Siemens, Skeleton Technologies