Ein Gasturbinenhersteller und ein Lieferant von Netztechnik wollen Großverbrauchern ihre Energieversorgung künftig als ein Paket verkaufen. Am 16. Oktober haben Hitachi Energy und Ansaldo Energia in Zürich eine Absichtserklärung (MoU) unterzeichnet, um gemeinsam integrierte Energielösungen zu entwickeln und zu vermarkten; Rechenzentren werden ausdrücklich als Zielmarkt genannt. Das MoU ist nicht bindend: Es beschreibt, was beide Unternehmen vorhaben, kein Projekt und keinen Auftrag.
Wer was mitbringt
Ansaldo Energia mit Sitz in Genua, kontrolliert von CDP Equity aus der italienischen Gruppe Cassa Depositi e Prestiti, steuert Gasturbinen und Generatoren bei; nach eigenen Angaben laufen Anlagen des Unternehmens in rund 1.000 Kraftwerken in 100 Ländern. Hitachi Energy liefert, was zwischen Generatorklemmen und Verbraucher liegt: Hochspannungstechnik, Transformatoren, Automatisierung, Leistungselektronik und Netzintegration. Ziel ist ein Angebot von der Erzeugung über die Übertragung bis zum Verbrauchspunkt, für 50-Hz- und 60-Hz-Märkte einschließlich der USA.
Hitachi Energy will das Angebot außerdem mit seinem Produkt HMAX Data Center für den autonomen, integrierten Betrieb eines Standorts verbinden, unter dem Konzernansatz One Hitachi.
- In der Mitteilung genannte Kunden: Energie-Hubs, Rechenzentren und andere große Stromverbraucher.
- Turbinentypen, Leistungen, Projekte, Preise oder Liefertermine wurden nicht veröffentlicht, wie CompressorTech² anmerkt.
- Die Mitteilung erwartet, dass sich der weltweite Strombedarf bis 2050 nahezu verdoppelt, und hebt die USA hervor, wo KI und Rechenzentren schnell große Leistungsblöcke brauchen.
Warum ein Turbinenhersteller auch die Schaltanlage will
Hitachi-Energy-Chef Andreas Schierenbeck sagte, die Nachfrage wachse so schnell wie seit Jahrzehnten nicht, während die Infrastruktur zurückbleibe; die Partnerschaft solle Kunden helfen, Kapazität früher ans Netz zu bringen. Ansaldo-Chef Fabrizio Fabbri sprach von engerer Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette.
Hinter beiden Aussagen steht eine Beschwerde, die Projektentwickler seit zwei Jahren vorbringen. Die Turbine ist selten das einzige Teil mit langer Lieferzeit. Transformatoren und Hochspannungstechnik haben ihre eigenen Warteschlangen, und ein Standort, der seine Maschinen hat, aber kein Umspannwerk, erzeugt trotzdem nichts.
Eigenes Kraftwerk am Standort, Notstrom trotzdem nötig
Wer Notstrom spezifiziert, für den ändert ein Turbinenkraftwerk am Zaun das elektrische Bild, die Frage nach der Netzersatzanlage bleibt aber. Läuft der Campus mit eigenem Gaskraftwerk, sichern die Notstromaggregate unter Umständen dieses Kraftwerk ab statt des öffentlichen Netzes, und der Betreiber muss festlegen, welche Ausfälle sie abdecken: eine Turbinenabschaltung, eine Unterbrechung der Gasversorgung, einen Fehler im neuen Umspannwerk. Jede Antwort führt zu einem anderen Umschaltkonzept und einem anderen Prüfregime.
Auf Gasstandorten liegen zudem meist zwei Brennstoffe auf demselben Gelände: Pipelinegas für das Kraftwerk und gelagerter Diesel oder HVO für die Notstromaggregate. Das heißt zwei Genehmigungen und zwei Brennstoffkonzepte, einschließlich der Brennstoffqualität in einem Tank, der monatelang unberührt bleiben kann. Am besten geklärt, solange das Einlinienschaltbild noch eine Skizze ist.
Quellen: Hitachi Energy / Ansaldo Energia (PR Newswire), CompressorTech², Il Sole 24 Ore