Google schließt 3,6-GW-Vertrag mit Constellation, PJM drängt auf Eigenstrom

Google hat bei Constellation Energy 3.590 MW Strom im PJM-Gebiet, dem größten Stromnetz der USA, unter Vertrag genommen, berichtete Reuters am 6. Oktober. Etwa ein Viertel davon ist Kernkraftleistung, die es noch gar nicht gibt: 890 MW aus Leistungssteigerungen an 11 Reaktorblöcken von Constellation in Illinois, Pennsylvania und New Jersey, abgenommen über einen Stromliefervertrag mit 20 Jahren Laufzeit. Die übrigen 2.700 MW stammen aus bestehenden Kraftwerken von Constellation im PJM-Gebiet, mit einem Vertrag über 15 Jahre.

Constellation wird mehr als 4,3 Mrd. US-Dollar in die Nachrüstungen investieren; das erste ertüchtigte Kraftwerk soll 2028 zusätzlichen Strom liefern. Neben den Stromverträgen haben die beiden Unternehmen laut einer Analyse von TIKR einen Fünfjahresvertrag über Google-Cloud- und Gemini-Enterprise-Dienste für Constellation vereinbart.

Warum PJM den Hintergrund bildet

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Das PJM-Management hat vorgeschlagen, dass Rechenzentren in seinem Netz über 13 Bundesstaaten entweder ihren eigenen Strom mitbringen oder hinnehmen, dass sie bei Lastspitzen aus der Ferne vom Netz getrennt werden können. Reuters weist darauf hin, dass die Kapazitätspreise bei PJM seit 2024 mit der wachsenden Nachfrage der Rechenzentren um mehr als das Elffache gestiegen sind. Ein langer Vertrag mit einem Erzeuger im eigenen Netzgebiet ist für einen Großabnehmer ein Weg zu zeigen, dass er Erzeugung hinzufügt und nicht nur Strom entnimmt.

Amanda Peterson Corio, bei Google weltweit für Energie und Strom verantwortlich, sagte, das Unternehmen wolle verantwortungsvoll wachsen und dafür in saubere, zuverlässige Erzeugung investieren. Constellation-Chef Joe Dominguez nannte den Vertrag ein Modell dafür, wie Technologie- und Energieunternehmen zusammenarbeiten können.

Die Netzersatzanlage bekommt eine zweite Aufgabe

Wer an einem großen Standort im PJM-Gebiet Notstromaggregate betreibt, für den ist Abschaltung keine Theorie. Im Mai erließ das US-Energieministerium eine Notfallanordnung nach Abschnitt 202(c) des Federal Power Act, die es PJM erlaubte, Rechenzentren und andere Großverbraucher mit Notstromversorgung als letztes Mittel vor rollierenden Abschaltungen vom Netz zu nehmen, berichtete Utility Dive. Die Anordnung galt für drei Tage ungewöhnlicher Hitze, an denen mehr als 40 GW Kraftwerksleistung wegen Wartung fehlten.

Damit ändert sich, was von einer Netzersatzanlage verlangt wird. Ein Aggregatefeld, das für seltene Netzausfälle und monatliche Probeläufe geplant und genehmigt wurde, kann an einem heißen Nachmittag vom Netzbetreiber angefordert werden. Daraus folgen Fragen, die selten in der ursprünglichen Spezifikation stehen: wie viele Betriebsstunden die Emissionsgenehmigung außerhalb eines echten Netzausfalls zulässt, wie viel Kraftstoff vor Ort lagert und wie schnell nachgetankt werden kann, ob die Abgasnachbehandlung für längere Laufzeiten bereit ist und wer den zusätzlichen Verschleiß bezahlt.

Ein ertüchtigter Reaktor im Jahr 2028 beantwortet diese Fragen nicht für einen Campus, der im nächsten Jahr ans Netz geht. Verträge wie dieser entlasten das Netz mit der Zeit; bis dahin überbrückt die Netzersatzanlage die Lücke.

Quellen: Reuters via BNN Bloomberg, TIKR, Utility Dive

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