Wärtsilä veröffentlichte am 2. November eine Studie, die fragt, was es kosten würde, netzunabhängige Rechenzentren mit flexiblen Motoren statt mit GuD-Gasturbinenkraftwerken zu versorgen. Die Antwort für ein Szenario mit weltweit 55 GW netzunabhängiger Kapazität bis 2035 ist eine Einsparung von 196 Milliarden Euro über 20 Jahre, die das Unternehmen bei vermiedener Ausgleichskapazität auf „bis zu 200 Milliarden Euro“ rundet. Es fügt hinzu, dass dies unter geeigneten Netz- und Marktbedingungen gilt.
Wie die Zahlen entstanden sind
Die 55 GW sind das obere Ende des Ausblicks von Wärtsilä und keine Prognose. Sie stützen sich auf Projektionen Dritter, darunter die Rechenzentrums-Ausblicke von BloombergNEF, sowie auf eine Auswertung angekündigter Projekte und des Stands ihrer Entwicklung und Genehmigung. Das Unternehmen skaliert die Ergebnisse einer früheren projektbezogenen Studie zur Stromversorgung netzunabhängiger Rechenzentren hoch und vergleicht Erzeugungs- und Speicherkapazität, Kosten, Fläche und Wasser für denselben Bedarf über 20 Jahre. Wärtsilä erklärt, die Technologiefälle seien Illustrationen, und reale Projekte würden verschiedene Technologien mischen.
Was das Unternehmen den Motoren zuschreibt
Nach Angaben des Unternehmens brauchen Motoren weniger Erzeugungsanlagen und weniger Batteriespeicher, um dieselbe Last abzudecken, verbrauchen deutlich weniger Kühlwasser und benötigen weniger Fläche. Die Wassereinsparung beziffert es auf 99,97 %, den Flächenunterschied auf 2.200 Fußballfelder. Außerdem heißt es, dass Motoren, sobald ein Rechenzentrum am Netz hängt, als Backup dienen und helfen können, Wind- und Solarstrom auszugleichen. Die in den Anlagen zurückgewonnene Wärme könnte laut einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) etwa 10 % des europäischen Raumwärmebedarfs decken, was Wärtsilä mit 180 Milliarden Euro netto über 20 Jahre bewertet.
Die Studie stammt von einem Motorenhersteller und ist deshalb als eine Seite des Vergleichs zu lesen. Die Mitteilung nennt über die oben genannten Vergleiche hinaus keine entsprechenden Zahlen für GuD-Anlagen.
Netzunabhängig ist nicht dasselbe wie Notstrom
Ein Kraftwerk, das die einzige Versorgung darstellt, läuft das ganze Jahr und wird wie ein Kraftwerk beurteilt, nicht wie ein Notstromaggregat, das monatlich getestet wird. Damit verschieben sich die Fragen auf Redundanz, Wartungsfenster, Kraftstoffversorgung sowie die Abgas- und Lärmbedingungen der Genehmigung. Wenn ein Projekt auf Ihrer Anfragenliste von „Stromerzeugung vor Ort“ spricht, klären Sie zuerst, welcher der beiden Fälle vorliegt.
Quellen: Wärtsilä