In Gunsan, Südkorea, ist ein 77-Liter-Dieselmotor der 3-MW-Klasse zum ersten Mal gelaufen. HD Construction Equipment teilte am 15. Oktober mit, auf seinem Campus in Gunsan eine Feier zum ersten Start des DX77 abgehalten zu haben. Es ist der größte Motor, den das Unternehmen bisher entwickelt hat, und er ist für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren gedacht. Als Nächstes folgen die vollständigen Leistungs- und Dauerlaufprüfungen; die Serienfertigung ist für 2028 geplant.
Ein Schnellläufer mit 1.800 U/min
Der DX77 läuft mit 1.800 U/min, und das Unternehmen nimmt für ihn die beste Kraftstoffeffizienz und die höchste Leistung seiner Klasse in Anspruch. Laut Seoul Economic Daily und ZDNet Korea verweist es außerdem auf hochfeste, verschleißbeständige Werkstoffe und ein hocheffizientes Kühlsystem für lange Laufzeiten bei hoher Drehzahl sowie auf Filterwechselintervalle, die auf 1.000 Stunden verlängert wurden. Zur Markteinführung soll eine lange Servicegarantie hinzukommen, nach Angaben des Unternehmens die längste der Branche. Zylinderzahl, Abgaszertifizierung und die Aufteilung auf Standby-, Prime- und Continuous-Leistung sind nicht veröffentlicht.
Nach Darstellung des Unternehmens liefert der Motor für seine Baugröße viel Leistung und braucht deshalb weniger Stellfläche. Es sieht den DX77 daher als passend für modulare Rechenzentren, die ihre Erzeugungskapazität schrittweise mit der wachsenden Last erweitern. Die Konstruktion lässt Raum für spätere Varianten mit Gas- oder Wasserstoffbetrieb.
Vier Leistungsstufen, ein neues Werk
Der DX77 bildet die Spitze einer Baureihe, die das Unternehmen bis 2029 vervollständigen will. Der 1-MW-Motor DX22 wird heute im Werk Incheon gebaut. Ein neues Motorenwerk in Gunsan, das Ende Oktober fertiggestellt sein soll, soll Anfang 2027 mit dem 1,5-MW-Motor DX37 anlaufen und hat laut ZDNet Korea eine angegebene Höchstkapazität von 1.250 Motoren pro Jahr. Der DX77 folgt 2028, der 2-MW-Motor DX50 im Jahr 2029; damit reicht das Programm von 1 bis 3 MW.
Als Zielmarkt nennt das Unternehmen Nordamerika. Dort erhöhen nach seiner Darstellung das Wachstum der KI-Rechenzentren und die Verzögerungen beim Netzanschluss die Nachfrage nach Erzeugung vor Ort, und es will sein Gasmotorenangebot für diesen Markt ausbauen. ZDNet Korea erinnert daran, dass das Unternehmen am 7. Oktober einen Vertrag über 390 Milliarden Won zur Lieferung von Motoren für ein Rechenzentrum in den USA unterzeichnet hat. Firmenpräsident Moon Jae-young wird von der Seoul Economic Daily mit den Worten zitiert, der DX77 werde das Geschäft mit Generatormotoren auf eine neue Stufe heben, und gründliche Prüfungen würden das endgültige Produkt prägen.
Zwei Jahre zwischen Feier und Typenschild
Wer Aggregate um Motoren herum baut, achtet auf das Datum ebenso wie auf die Leistung. 1.800 U/min ist die Drehzahl für 60 Hz, was zum nordamerikanischen Zielmarkt passt; zu einer Version mit 1.500 U/min für 50-Hz-Märkte wurde nichts gesagt. Solange Typprüfungen und Abgaszertifikate fehlen, lässt sich ein DX77 nicht in eine Spezifikation schreiben, und die ersten fertig aufgebauten Aggregate werden auf den Serienstart 2028 folgen, nicht auf die Feier in dieser Woche.
Zwei Details der Ankündigung sagen mehr über den vorgesehenen Einsatz als die Leistungsangabe in der Schlagzeile. Ein Filterintervall von 1.000 Stunden und eine lange Garantie rechnen mit einem Motor, der täglich als Prime- oder Überbrückungsstromquelle läuft, solange ein Netzanschluss aussteht; ein Notstromaggregat, das seinen monatlichen Testlauf absolviert, merkt von beidem kaum etwas. Das Argument der Stellfläche weist in dieselbe Richtung. Ein Campus, der Halle für Halle wächst, ergänzt seine Erzeugung in Blöcken, und weniger, dafür größere Aggregate pro Megawatt bedeuten weniger Aggregatecontainer, Abgasleitungen und Kraftstoffanschlüsse, die geplant werden müssen. Das Feld der großen schnelllaufenden Motoren füllt sich - Perkins hat Anfang dieses Monats die Serienfertigung seines 61-Liter-Motors 5016 aufgenommen, ausgelegt für 50 Hz -, und Käufer werden den Service vor Ort ebenso stark gewichten wie die Zahl auf dem Typenschild.
Quellen: Seoul Economic Daily, ZDNet Korea